In einer modernen Gesellschaft ist es wichtig dafür zu sorgen, das alle Menschen an dieser teilhaben können. Um dies zu ermöglichen, müssen die Bedürfnisse aller betrachtet und bestmöglich bedient werden. Gerade in der digitalen Softwareentwicklung kommen die Bedürfnisse von Menschen, die andere Bedienkonzepte als die Mehrheit benötigen, häufig zu kurz. Dies führt dazu, dass entwickelte Software von Menschen, die beispielsweise ihren Computer mit der Hilfe von Screenreadern nutzen, nur erschwert oder gar nicht bedient werden kann.
Das Projekt GeFa legt bei der Entwicklung einen großen Schwerpunkt auf barrierefreie/-arme Gestaltung. Dies heißt, dass zum einen die allgemeinen Standards zu Kontrasten, Schriftgrößen, Inhaltsstruktur, etc. berücksichtigt und zum anderen Menschen mit direkter persönlicher Erfahrung im Bereich alternativer Bedienkonzepte in den Gestaltungsprozess und spätere Review-Schleifen mit einbezogen werden.
Aktuell wird ein Designsystem entwickelt, dass genau diese Schwerpunkte bis ins letzte visuelle Detail, bei allen Interaktionen und in der Codeentwicklung berücksichtigt. Konkret werden bereits in der Konzeption Experten aus verschiedenen Bereichen der Barrierefreiheit (komplette oder teilweise Sehschwächen, motorische oder kognitive Einschränkungen) mit eingebunden. Nach der konzeptionellen Phase testen diese Experten auch während der Entwicklung alle relevanten Elemente und geben Feedback, um sicherzustellen, dass die finale Gestaltung sowohl visuell als auch auf Code-Ebene allen Anforderungen entspricht und die entwickelte Software so barrierearm wie möglich in Betrieb genommen werden kann.
Das Designsystem folgt in seiner Gestaltung den allgemeinen Vorgaben der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG - Web Content Accessibility Guidelines). Zusätzlich wurden diese noch durch Anforderungen des Praxisbeirats für Barrierefreiheit GeFa erweitert.
Um eine barrierearme Bedienung sicherstellen zu können, muss vor allem auf folgende vier Prinzipien der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) geachtet werden.
Um zu verstehen, was diese Prinzipien dann für die tägliche Gestaltung bedeuten, folgen hier ein paar Beispiele aus der Praxis.
Es sollte sichergestellt werden, dass komplexe Komponenten wie Listen oder Formulare einer logischen Leserichtung folgen und auch die Fokus-Schritte bei Tastaturnavigation sinnvoll aufgebaut sind.
Farben folgen den AAA-Standardkontrastverhältnis-Vorgaben. Zu diesem Zweck wurden Primär-, Sekundär- und erweiterte Farben gewählt, die vor allem die Bedienbarkeit unterstützen. Dies gewährleistet einen ausreichenden Farbkontrast zwischen allen Elementen, damit auch Menschen mit Sehbeeinträchtigung GeFa gut verstehen und bedienen können.
Ein hoher Farbkontrast hilft Menschen, die teilweise oder vollständig farbenblind sind, Unterschiede zwischen bestimmten Farben und Flächen zu erkennen. Es wird eine starke visuelle Hierarchie geschaffen und die Bedienbarkeit für alle verbessert.
Für Schrift wird ein Kontrast von mindestens 7:1 verwendet, Interaktions-Flächen müssen mindestens einen Kontrast von 4,5:1 erfüllen. Für dekorative Bilder und deaktivierte Zustände gelten keine expliziten Kontrastanforderungen.
Farbe alleine darf nie Informationsträger sein. Informationen müssen durch weitere visuelle Hinweise immer klar erkennbar sein, sowie Text, Umrandung oder Icons. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Nutzenden die gleichen Informationen wahrnehmen können unabhängig von möglichen Farbfehlsichtigkeiten.
Beispielsweise dürfen Fehler- oder Erfolgsmeldungen nicht nur in roter und grüner Farbe dargestellt werden sondern werden jeweils mit einem Haken (Erfolg) oder Ausrufezeichen (Fehler) ergänzt.
Es muss sichergestellt werden, dass alle Aktionen auch mit reiner Tastatureingabe bedient werden können. Die Standardeingabe wird durch spezifische Tastenkürzel ergänzt, um eine schnelle Navigation sicherzustellen. Zum Beispiel, um schnell zum Hauptmenü springen zu können, wenn man sich in einem anderen Bereich der Seite befindet, von dem aus viele Tabschritte benötigt würden, um das Menü zu öffnen.
Um Menschen zu helfen, die auf unterstützende Technologien angewiesen sind, wie z. B. ein Bildschirmlesegerät oder andere Text-zu-Sprache-Programme, verwenden unsere Komponenten alternativen Text für Symbole und Bilder, die die Inhalte und Aktionen klar beschreiben. Beispielsweise müssen Buttons, die nur aus einer Grafik bestehen (wie ein/ausklappen) einen aussagekräftigen Alternativtext erhalten, der die Aktion erklärt.